Heute möchte ich Dich mitnehmen auf eine kleine persönliche Zeitreise meiner Ernährungsgewohnheiten. Eine Zeitreise, auf der ich vom Low-Fat-Fanatiker zum Butterliebhaber geworden bin. Du erfährst in diesem Blogpost, warum gesättigte Fettsäuren eben nicht so böse sind wie weithin behauptet. Ich zeige Dir, welche Fette wirklich schlecht sind und welche Du Deinem Körper gönnen solltest, um Deine Zellen zum Strahlen zu bringen.

 

Wie viele Menschen, die gerne schlank sein wollen, begann auch ich mich als 16-Jährige Low-Fat zu ernähren. Mein Ziel: Übermäßige Kilos (die ich sowieso nicht hatte) verlieren. Ich erinnere mich noch wie ich mich mit meiner Mutter lauthals stritt, da sie meinem Empfinden nach viel zu viel Butter in der Küche verwendete. 

Meine Fett-Phobie ging soweit, dass wir zu Hause mit Wasser angebraten haben und im Kuchen die Butter durch Magerquark ersetzten. Gott sei Dank hielt diese Phase nicht allzu lange an. Mir ging schlichtweg die Kraft aus für mein geliebtes Training. Sahne, Butter und Co. hielten wieder Einzug in meiner heimischen Küche.

Heute erzähle ich Dir, warum auch Du den guten Fetten Tür und Tor öffnen solltest.

Deine Fettschlaue Ernährung = Dein Rundumschutz für Körper, Geist & Seele

Fette werden in Deinem Körper für viele Prozesse benötigt. So können viele Botenstoffe (z.B. Hormone) ohne Fette gar nicht produziert werden. Dein Herz könnte nicht kräftig schlagen und Dein Immunsystem würde ohne Fette ziemlich alt aussehen. Einige Fette sind sogar essentiell. Das bedeutet, dass Du ohne ihren regelmäßigen Verzehr krank wirst.

Leider nehmen die meisten Menschen die falschen Fette zu sich. Zudem werden Fette zum Braten verwendet, die hierfür absolut ungeeignet sind.

Nun aber erstmal ein kleiner Überblick über die verschiedenen Fettarten.

Die Verwendung der falschen „hochverarbeiteten“ Fette ist eine der Hauptursachen für Entzündungen im Körper, sowie für Herzerkrankungen und unzählige Krebsdiagnosen.

1. Gesättigte Fettsäuren – Gefahr für die Menschheit oder Kraftfutter für Darm & Gehirn?

Gesättigte Fettsäuren stecken vor allem in Fleisch, Milchfett sowie Kokosöl.

Noch immer werden gesättigte Fettsäuren in den Medien massiv verteufelt. Grund dafür ist eine gefälschte 7-Länderstudie von 1958 (!) – siehe Kasten weiter unten. Bei mir kommen gesättigte Fettsäuren täglich auf den Tisch. Die Buttersäure aus Butter ist wahres Kraftfutter für Dein Gehirn und Deinen Darm, Palmitinsäure lässt Herzen stärker schlagen und die Laurinsäure im Kokosöl macht schlank und rank.

Aber Achtung! Eine zu hohe Menge an Palmitinsäure kann zu erhöhten Entzündungen führen. Daher solltest Du gesättigte Fettsäuren zwar regelmäßig verwenden, aber dennoch keine Butterschlacht beginnen. 🙂 Verzehrst Du neben Palmitinsäure regelmäßig Olivenöl, verschwindet das Entzündungspotenzial von Palmitinsäure übrigens komplett.

Die Margarinelüge kurz zusammengefasst

Schlau war er, der Wissenschaftler Keys, der 1958 eine Studie zu gesättigten Fettsäuren durchführte. Er wollte den Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fettsäuren und dem Auftreten von Herzerkrankungen in mehreren Ländern untersuchen. Er stellte fest: je mehr gesättigte Fettsäuren in einem Land konsumiert wurden, desto mehr Herzkrankheiten gab es dort. Die Margarine-Lobby stürzte sich auf diese Studie und pushte sie in alle Medien. Mittlerweile kam man Keys allerdings auf die Schliche. Er hatte die Studie zu seinen Gunsten manipuliert. Er untersuchte eigentlich 22 Länder, statt der offiziell angegebenen sieben. Bei den 15 Ländern, die er unter den Tisch fallen ließ, stellte er allerdings keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fettsäuren und einer erhöhten Herzkrankheitsrate fest. 

Das interessierte die Margarine-Lobby natürlich nicht, die mithilfe von Keys’ Studie Milliarden verdiente.

2. Einfach ungesättigte Fettsäuren – damit es mit der Zellkommunikation läuft

Einfach ungesättigte Fettsäuren stecken vor allem in Olivenöl und Avocado. Sie sind bekannt dafür, dass sie die Zellmembran geschmeidiger machen und so für eine bessere Zellkommunikation sorgen. Zudem wirken sie antientzündlich. Was jedoch wenige Menschen wissen ist, dass Olivenöl NICHT erhitzt werden darf! Die vielen wertvollen, zellschützenden sekundären Pflanzenstoffe gehen durch das Erhitzen kaputt.

3. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren – auf die Balance kommt es an

Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren zählen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren kennt jeder, zumindest aus der Werbung. Sie sind ein Wundermittel für den Körper. Sie machen schlau und schön und sorgen sogar für ein starkes Herz. Die meisten Menschen nehmen allerdings viel zu wenig Omega-3-Fettsäuren zu sich und zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren. Dadurch nimmt das Risiko für gesundheitliche Probleme massiv zu. Ein Ungleichgewicht dieser Fettsäuren fördert chronische Entzündungen im Körper und sollte unbedingt vermieden werden.

Tipp:  So erhöhst Du Omega3Fettsäuren und senkst Omega6Fettsäuren

  • Verwende vermehrt Leinöl

  • Ergänze Deine tägliche Ernährung mit Hanfsamen und Walnüssen

  • Meide Omega-6-haltige Öle (Sonnenblumenöl, Distelöl, Erdnussöl)

  • Verwende ein hochwertiges Omega-3-Fettsäuren-Präparat (EPA & DHA) ohne Schwermetalle*, z.B. auch aus Algenquellen

  • Iss Fisch nicht häufiger als 1x pro Woche aufgrund der hohen Schwermetallbelastung.** Weniger belastete Fische sind Hering und Seelachs.

*bei Fischölen können Schwermetalle über ein ionisiertes Verfahren herausgefiltert werden. Frage Deinen Hersteller ob er sicherstellt, dass sich keine Schwermetalle im Öl befinden.

** Fische sammeln Schwermetalle im Körper an. Aufgrund der belasteten Meere enthalten Fische oft deutlich mehr Schwermetalle als die zugelassenen Grenzwerte. Zudem wurden die Grenzwerte in den letzten Jahren immer weiter nach oben korrigiert (weiterführende Infos dazu findest Du hier).

Nachdem Du jetzt einen guten Überblick über die verschiedenen Fette und ihre Wirkung hast, kommen wir zu den Fetten, die Du unbedingt meiden solltest, denn sie erhöhen das Risiko für zahlreiche Krankheiten.

4. Gehärtete Fette und Industriefette – wie der Tod in den Körper kommt

Gehärtete Fette beziehungsweise viele Industriefette und Transfettsäuren sind hochverarbeitetet und chemisch verändert. Diese Fette sind enorme Unruhestifter in Deinem Körper. Sie erhöhen das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen und sollten besser gemieden werden. Insbesondere in Chips, Süßigkeiten und Fertigprodukten sind diese Fettsäuren vermehrt enthalten.

Unser Tipps: Bitte nur gesättigte Fettsäuren wie Butterschmalz und Kokosöl zum starken Anbraten verwenden.

5. Vermeintliche Bratöle

Durch vermeintliche „Bratöle“ ersticken Deine Zellen im Feuerwerk von freien Radikalen

Hersteller werben oft mit besonders gut erhitzbaren Bratölen, wie zum Beispiel Ölmischungen oder “hocherhitzbaren” Oliven- oder Rapsölen.

Meist wurden diese vermeintlichen Bratöle chemisch verändert, sodass ihr Rauchpunkt nach oben verschoben ist. Dennoch entstehen durch ein starkes Erhitzen dieser ungesättigten Fettsäuren IMMER freie Radikale. Ein Übermaß an freien Radikalen nimmt Deinen Zellen den Atem. Die Zellen können nicht mehr optimal arbeiten und mutieren im schlimmsten Fall zu Krebszellen.

6. Rapsöl zum Braten – heilbringendes Wunderöl oder genmanipuliertes Lampenöl?

Die meisten Menschen verwenden Rapsöl zum Braten, wofür es absolut untauglich ist. Zwar stimmt das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren, doch diese Fettsäuren oxidieren auch sehr schnell – insbesondere wenn man sie erhitzt oder in durchsichtigen Flaschen aufbewahrt. Früher war Rapsöl in der Küche übrigens absolut verpönt und wurde nur als Lampenöl verwendet. Der hohe Erucagehalt machte das Öl sehr bitter und damit ungenießbar. Außerdem ist Erucasäure insbesondere für die Schilddrüse potentiell schädlich. Durch genetische Manipulation und Züchtung wird diese Säure dann weitestgehend minimiert –  von einem Naturprodukt kann also nicht mehr die Rede sein. Und natürlich bekommt man die Erucasäure auch nicht komplett herausgezüchtet.

Für uns sind Olivenöl und Leinöl die deutlich besseren Alternativen in der kalten Küche ohne Risiken. 🙂

Zusammenfassung: So sieht Deine fettschlaue Ernährung aus


Basisfette und Öle

  • Bio-Kokosöl oder Bio-Butterschmalz (Ghee) zum Anbraten (alle sehr hitzestabil!)

  • Bio-Butter für leichtes Anbraten (Spiegelei)

  • Bio-Butter oder Olivenöl über Gemüse (möglichst nicht anbraten)

  • Bio-Olivenöl und Bio-Leinöl für Salate und in der kalten Küche

Sonstige gute Fettquellen

  • Kakao

  • Nüsse jeder Art

  • Oliven

  • Avocado

  • Hanfsamen, Leinsamen

  • Sonnenblumenkerne

  • Sahne

Fazit: Glückliche Zellen mögen Vielfalt

Am wohlsten fühlen sich Deine Zellen, wenn Du ihnen regelmäßig unterschiedlichen und hochwertigen Brennstoff lieferst. So können sie noch viele Jahre gesund “fahren” und für Dein Wohlbefinden sorgen. So ist eine fettschlaue Ernährung quasi Deine natürliche Altersvorsorge. In ein teures Auto kippst Du ja auch keinen billigen Benzinersatz, oder? 😉

Viel Freude beim Optimieren Deiner “fettschlauen” Ernährung wünscht Dir

 

Deine Dr. Friederike Feil

Literaturverzeichnis

EFSA: Erucasäure mögliches Gesundheitsrisiko für stark exponierte Kinder. Pressemeldung9. Nov. 2016

EFSA (CONTAM): Erucic acid in feed and food. EFSA Journal 2016; 14: e4593

BadawyIH et al: Biochemical and toxicological studies on the effect of high and low erucic acid rapeseed oil on rats. Nahrung1994; 38: 402-411

TeuscherE, LindequistU: Biogene Gifte. Fischer, Stuttgart 1987

Laryea MD et al: Fatty acid composition of blood lipids in Chinese children consuming high erucic acid rapeseed oil. Annals ofNutrition and Metabolism1992; 36: 273-278

Lang K: Biochemie der Ernährung. Springer, Berlin 1957

Carroll KK, Noble RL: Influence of a dietary supplement of erucic acid and other fatty acids on fertility in the rat; sterility caused by erucic acid. Canadian Journal of Biochemistry& Physiology1957; 35: 1093-1105

Anon: Raps und Senf ist der Tod vom Feldhasen. Landwirt 15. Nov. 2011

ReidtL: Rätselhaftes Hasensterben. Zeit-Online 7. Okt. 1988

Schmid A, Schmid H: Rapsvergiftung wildlebender Pflanzenfresser. TierarztlichePraxis 1992; 20: 321-325

SibbaldAM et al: The consequences for deer of ingesting oilseed rape (Brassica napus): feeding experiments with roe deer (Capreolus capreolus) and red deer (Cervus elaphus). Journal of Zoology1995; 235: 99–111

Spitzbart M: Gesunde Fette: Mit Rapsöl verbessern Sie Ihren Cholesterinquotienten. Fachverlag für Gesundheitswissen 22. Juli 2016

MEHR ZUM THEMA

Palmöl in Lebensmitteln – „Man sollte alles tun, um die Aufnahme zu minimieren“
 (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 18.11.2016)

Biodiesel – Der Alptraum von der grünen Energie
 (Deutschlandradio Kultur, Mahlzeit, 10.06.2016)

17 Kommentare

  1. Ein Rezept für Ofengemüse in dem Begleitheft zur Stoffwechselkur von Dr Feil enthält Olivenöl in der Marinade.
    Ist das okay wenn auf 180 Grad erhitzt wird ?

    Antworten
    • Hallo Ulrike,
      sorry für die Verspätung. Olivenöl sollte bei 180 Grad nicht erhitzt werden. Besser ist es wenn Du wenig Kokosöl oder Butterschmalz benutzt und dann im Anschluss ordentlich Olivenöl drüber gibst. So bleiben die Fettsäuren intakt und die Pflanzenstoffe erhalten.
      Viele liebe Grüße,
      Friederike Feil

      Antworten
  2. Liebe Friederike, diese Information widersprechen zum Teil deinen Ausführungen in der „Darmkur“. Besonders das Thema „Rapsöl nicht empfehlenswert“ widerspricht deinen bisherigen Thesen.

    Und beim Olivenöl war ich mir sicher, dass man es auch zum sanften anbraten nutzen kann. Ich kenne es aus den Mittelmeerländern, wo damit gebraten wird. Butter kennt man bzw. gibt es fast gar nicht.

    Liebe Grüße Manfred

    Antworten
    • Hallo Manfred,
      eigentlich widerspricht das der Darmkur nicht. Rapsöl habe ich noch nie empfohlen. In der Lebensenergie-Kur empfehlen wir vermehrt Kokosfett und Butterschmalz. Zukünftig werden wir Olivenöl und Leinöl ebenfalls vermehrt einbauen (Lebensenergie-Kur 4.0). Das neue Heft erscheint 2020.
      Gruß Friederike

      Antworten
    • Hallo Manfred,
      eigentlich widerspricht das der Darmkur nicht. Rapsöl habe ich noch nie empfohlen. In der Lebensenergie-Kur empfehlen wir vermehrt Kokosfett und Butterschmalz. Zukünftig werden wir Olivenöl und Leinöl ebenfalls vermehrt einbauen (Lebensenergie-Kur 4.0). Das neue Heft erscheint 2020.
      Gruß Friederike

      Antworten
    • Sehr gerne!

      Antworten
  3. Ein äußerst interessanter und hilfreicher Blogbeitrag. Dankeschön!

    Antworten
    • Vielen Dank für das tolle Feedback.
      Friederike

      Antworten
  4. danke für die Informationen, es ist schön, wenn man immer wieder solche Aufklärungen bekommt, damit die alltäglich gewohnten Kochsünden aufgedeckt werden.

    Antworten
    • Super, dass Dir der Blogpost in der Küche hilft :-)…

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  5. Danke für den Beitrag! Auch wenn man alles schon einmal gelesen hat ist es immer wieder gut zu lesen bzw. Aktualisiert:-)

    Antworten
  6. Liebe Frau Dr. Feil!
    Vielen herzlichen Dank für Ihren Bericht bez. der unterschiedlichen Fette. Bestätigt es doch mein jahrelanges Wissen über gesunde und weniger gesunde Fette, das ich seit einiger Zeit sehr vernachlässigt habe. Ich freue mich, dass ich nach alter Gewohnheit wieder anfangen werde – auch nach Dr. Johanna Budwig – gesunde Fette, wie Leinöl und Olivenöl mehr in der Küche zu verwenden.
    Mit lieben Grüßen
    Christel Schöpgens

    Antworten
    • Hallo Christel,
      ja Bio-Leinöl und Bio-Olivenöl sind wahnsinnig gesund für den Körper und sollten täglich eingebaut werden in die Ernährung.
      Aber auch eine Sauerrahmbutter und natives Kokosöl haben seine absolute Berechtigung in unserer Küche.
      Viele liebe Grüße,
      Friederike Feil

      Antworten
  7. Liebe Frau Dr. Feil, herzlichen Dank für Ihre wichtigen Informationen.

    Wie sieht es bei Avocado aus: mehrfach ist zu lesen und in Reportagen zu sehen, dass die Pflanzen einen sehr hohen Wasserbedarf haben. Aus diesem Grund gibt es bereits in Peru ausgetrocknete Grundwasserbestände.

    Welche Informationen liegen Ihnen zu diesem Thema vor?

    Viele Grüße, I. Herold

    Antworten
    • Hallo Herold,
      leider wird unser europäischer Heißhunger auf Avocado mit vielen Monokulturen gedeckt in diesen Ländern. Ebenfalls kritisch ist der hohe Wasserverbrauch den eine Avocado zum Wachsen benötigt. Wir überarbeiten daher gerade auch unsere Empfehlungen in der Lebensenergie-Kur und werden nur noch wenige Rezepte mit Avocado empfehlen. Von den Nährwerten ist Avocado jedoch absolut empfehlenswert und enthält die selben Fettsäuren wie Olivenöl. Viele liebe Grüße, Friederike Feil

      Antworten
  8. Wie sieht es mit Fritieröl aus ? Welche Öle sind empfehlenswetr?

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