Der Mythos der Übersäuerung des Körpers

von | Okt 28, 2018 | Gesundes Leben

Dr. Friederike Feil aka Karla Kolumna deckt auf!

Schon lange beschäftige ich mich mit der Thematik der Übersäuerung des Körpers. Ich messe seit knapp einem halben Jahr täglich den Säuregehalt meines Urins und kontrolliere, wie er sich über den Tag verändert. Welchen Einfluss haben basische Lebensmittel, Stress und Entspannung –, und welchen Einfluss hat Bewegung auf den Säuregehalt meines Urins? Als ich dies bei einem Vortrag erzählte, wies ein junger dynamischen Arzt, der gerade das Physikum bestanden hatte darauf hin, dass die Messung des Säure-Basenhaushalts im Urin keinen Sinn macht.  Eine Übersäuerung des menschlichen Körpers sei wissenschaftlich nicht belegbar.

Ist die Übersäuerung des Körpers also ein Mythos und reine Geldmacherei?

Die Alternativmedizin ist überzeugt: 90 Prozent aller Menschen sind übersäuert. Ein Großteil der traditionellen Schulmediziner ist jedoch der Meinung, dass Übersäuerung ein konstruiertes Problem ist, damit Alternativmediziner ihre basischen Lebensmittel verkaufen können. Doch ist Übersäuerung wirklich ein Mythos und reine Geldmacherei? Und welche Folgen hat eine Übersäuerung für den Körper und die Zellen?

Der Schutz gegen Übersäuerung im Körper - ein Geniestreich der Natur

Dein Körper ist ein Geniestreich der Natur. Er besitzt etliche Puffersysteme, wie zum Beispiel den Bicarbonat-/Kohlensäurepuffer, oder den Proteinpuffer, um Dein Blut konstant bei einem leicht basischen pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 zu halten. Ohne diese Puffersysteme würde das Blut sofort übersäuern. Zusätzlich bist Du mit unglaublich eifrigen Organen wie Darm, Nieren und der Lunge ausgestattet, die zusätzlich Säuren ausscheiden, um Deinen Blut-pH-Wert konstant zu halten. Verschiebt sich der pH-Wert im Blut, wird es nämlich brenzlig für Deine Gesundheit.

Extra Info: Kann Deine Zelle maßlos übersäuert sein - trotz basischem Blut? Info nur für Biohacker und Biochemiker 🙂

Das basische Mineral Kalium ist ein Kation (positiv geladenes Ion) und der entscheidende Faktor, um eine Übersäuerung und einen Sauerstoffmangel Deiner 60 Billionen Zellen zu verhindern. Ganze 98 Prozent des vorhandenen Kaliums stecken in der Zelle (intrazellulär) und nur zwei Prozent im äußeren Bereich (extrazellulär).

In den letzten 200 Jahren hat sich das Kalium-Natrium-Verhältnis in der westlichen Ernährung stark verändert und von einem Verhältnis von 10:1 (10 Anteile Kalium, 1 Anteil Natrium) auf 1:3 (1 Anteil Kalium, 3 Anteile Natrium) zugunsten von Natrium verschoben. Zudem begünstigt Stress die Wiederaufnahme von Natrium. Durch diesen Natrium-Überschuss fehlt Deinem Körper Kalium, um Deine Zellen optimal zu entsäuern.

Bei zu wenig Kalium im extrazellulären Raum wird Kalium aus dem intrazellulären Bereich nach außen verschoben. Hierdurch wandern Säureprotonen (H+) in die Zelle hinein – und übersäuern sie. Eine pH-Messung des Blutes erfasst also nur nur den extrazellulären Raum, und nicht, was in der Zelle vorgeht! Die sauren H+‑Ionen in der Zelle bleiben dem Arzt verborgen: Er diagnostiziert basisches Blut, obwohl innerhalb der Zelle eine Übersäuerung vorliegt.

Wartest Du ab, bis die Säure-Bombe in Deinem Körper explodiert?

Durch das einmalige Zusammenspiel verschiedener Puffersysteme, Organe und Zelltransporter ist eine Übersäuerung des Körpers, gemessen anhand des Blutes, folglich selten festzustellen. Übersäuerung im Blut ist der letzte Schritt vor einer nahenden Katastrophe. Warten nicht bis Du im Blut eine Übersäuerung feststellst! Solange zu warten, ist so, als ob Du eine tickende Bombe im allerletzten Augenblick zu entschärfen versuchst.

Dein Urin als Indikator einer erhöhten Säurelast im Körper

 

Einen schnellen Überblick über die Säurelast Deines Körpers kannst Du Dir durch die tägliche Beobachtung des pH-Wertes Deines Urins verschaffen. Messstreifen gibt es in jeder Apotheke. Wenn Dein Urin von morgens bis abends Werte zwischen fünf und sechs, und der Messstreifen selten einen Messwert von über sieben anzeigt, ist die Säurelast in Deinem Körper zu hoch.  Je saurer Dein Urin, desto weniger Säuren kann Dein Körper abpuffern.  Die Folge: Deine Nieren müssen harte Überstunden machen. Neuste Studien zeigen, dass eine ständig erhöhte Säurelast der Nieren, gemessen mit dem PRAL-Wert, langfristig zu einem Nierenversagen führen kann (Mirimam, et al. 2016). Wenn die Nieren überlastet sind, dann pfuschen sie bei der Ausführung ihrer anderen Aufgaben, wie zum Beispiel der Aktivierung von Vitamin D und der Koordination des Kalziumspiegels. Wenn hier gepfuscht wird, hat das etliche Folgen für Deine Gesundheit.

Wie sich der Körper schützt, um nicht von der Säurewelle überrollt zu werden

Zum Abpuffern von Säuren benötigt der Körper basische Lebensmittel bzw. Mineralien. Ist die Säurelast zu hoch und stehen nicht ausreichend Mineralien zum Abpuffern zur Verfügung, hat Dein Körper immer noch ein paar Trümpfe gegen eine hohe Säurelast im Ärmel.

Die Trümpfe Deines Körpers, um eine Übersäuerung des Körpers vorzubeugen

Trumpf 1: Dein Körper verwendet zur Abpufferung von überschüssigen Säuren, Mineralien aus seinen prallgefüllten Vorratsspeichern:

Der größte Speicher Deines Körpers sind sowohl Deine Knochen, als auch  die in Bindegewebe, Sehnen, Bändern und Haaren enthalten Mineralspeicher, die der Körper dann leert. Die Folge: Bindegewebsprobleme, Osteoporose, sprödes und mattes Haar …

 Trumpf 2: Dein Körper benutzt Notausgänge für überschüssige Säuren und Gifte:

Über die Haut und die Schleimhäute beginnt Dein Körper vermehrt, Gifte und Säuren loszuwerden. Pickel, Sodbrennen, Ekzeme, Neurodermitis sind die Folge einer zu hohen Säurelast des Körpers.

Trumpf 3: Dein Körper verlagert überschüssige Säuren in Notlager:

Die letzte Möglichkeit, die der Körper hat, ist die Einlagerung von Säuren, die nicht mehr ausgeschieden werden können. Gute Notlager sind zum Beispiel neue Fettzellen und Dein Bindegewebe.

Nur im sauren Milieu entstehen Krankheiten

Schon 1931 wurde Dr. Otto Warburg der Medizinnobelpreis für seine Erkenntnis, dass alle Krankheiten im sauren Milieu entstehen (auch Krebs). Damit Du gesund und glücklich 120 Jahre alt wirst, brauchst Du also basische Zellen!

In einem weiteren Blogpost zeige ich Dir, wie Du die Säurelast in Deinem Körper reduzieren kannst und Dich durch glückliche, basische Zellen vor vielen Krankheiten schützt.

Zusammenfassung:

  • Übersäuerung ist weder Mythos noch Geldmacherei
  • Die Messung des Blut-pH-Wertes ist nicht immer die beste Möglichkeit, eine Übersäuerung des Körpers oder der Zelle festzustellen
  • Trotz basischem Blut kann die Zelle übersäuert sein
  • Die Messung im Urin ist ein guter Indikator, um die Säurelast des Körpers festzustellen
  • Der Körper hat viele Trümpfe, überschüssige Säuren abzupuffern: körpereigener Strukturabbau, Ausscheidung über die Haut, Einlagerung der Säuren
  • Krankheiten entstehen immer in saurem Milieu

Mein Tipp:

Kaufe Dir pH-Streifen und miss für ein paar Tage den pH-Wert Deines Urins: Direkt nach dem Aufstehen, zwei Stunden nach dem Frühstück, direkt vor dem Mittagessen, erneut zwei Stunden nach dem Mittagessen und dann nochmals vor dem Abendessen.

Wie sind Deine Werte? Ich freue mich auf spannende Diskussionen!

Deine Friederike Feil

Friederike Feil Akademie Vita Kieser

Dr. Friederike Feil

„Das Leben ist zu kurz, auch nur einen Augenblick des Genusses und der Freude zu versäumen.“

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8 Kommentare

  1. Tja, als ich muss nun Schleichwerbung machen. Wir haben die letzten 2.5 Wochen die Dr. Feil Kur „Lebensenergie“ gemacht. Ich habe dabei 5 kg abgenommen. Vor der Kur war mein Ph Wert 5.5, nach der Kur 7.5. Glaube, es hat u.a. auch mit meinem Kaffee Konsum zu tun, der in den normalen Tagen wirklich zu hoch ist (4-6 Tassen).

    Antworten
    • Hallo Oliver,
      das ist ja super! Die Kur ist natürlich so aufgebaut, dass man sehr viele basische Stoffe zu sich nimmt (Magnesium-Citrat, Kalium durch Gemüse & Gewürze) Das Spezialpulver mit den natürlichen Fruchtpulvern unterstützt ebenfalls die Entsäuerung. Schön, dass es so gut angeschlagen hat bei Dir.
      Friederike

      Antworten
  2. Liebe Friederike, folgst Du der Argumentation, dass fermentiertes Gemüse (wie SAUERkraut(!)) im Körper basisch wirkt?

    Wenn ich meinen Chemieunterricht richtig in Erinnerung habe, dann wirken schwache Säuren (wie die Milchsäure) im Zusammenhang mit Salzen basisch.

    Antworten
    • Hallo Olaf,
      vollkommen korrekt. Fermentierte Lebensmittel wirken sehr basisch im Körper. Das hat auch den Grund, dass fermentierte Lebensmittel eine Vielzahl an leicht zugänglichen Mineralien enthalten, die wiederum helfen den Körper zu entsäuern.
      Gruß Friederike

      Antworten
  3. Liebe Friedericke,

    erst einmal möchte ich meine Begeisterung für Deine Arbeit mitteilen. Der universelle Blick auf das Thema Gesundheit und Ernährung, der in der Schulmedizin häufig nicht zum Tragen kommt, ist extrem wichtig und hilft hoffentlich, dass möglichst viele Menschen aufwachen.

    Den PH-Wert kontrolliere ich seit 1 ½ Jahren mehr oder minder regelmäßig und eher intuitiv. Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass eine basische Ernährung den pH-Wert definitiv verbessert.

    Eine besondere Beobachtung möchte ich zusätzlich weitergeben: Durch „Zufall“ bin ich darauf gestoßen, dass durch tiefe Meditation ebenso eine Verschiebung des pH-Wertes in den basischen Bereich erzielt werden kann. Das habe ich des Öfteren wiederholt und validiert. Mit anderen Worten: Eine ausgeglichene und entspannte Lebensweise führt gleichfalls zu einer Verbesserung des pH-Wertes im Urin.

    Liebe Grüße

    Matthias

    Antworten
    • Hallo Matthias,
      danke für Dein Feedback. Ja, uns macht es Spaß ein bisschen tiefer in den Körper zu schauen und herauszufinden was da wirklich abgeht.
      Das mit dem Meditieren ist mir auch schon aufgefallen. Hängt mit dem parasympathischen System zusammen und einer reduzierten Ausscheidung von Mineralien. Werde hier auch im nächsten Blogpost etwas drüber schreiben.
      Viele liebe Grüße,
      Dr. Friederike Feil

      Antworten
  4. Hallo Friederike,
    vielen Dank für den Blogpost. Ist echt witzig, gerade am Tag als Du den Post veröffentlicht hast, habe ich mal wieder nach längerer Zeit meinen PH-Wert gemessen. Das habe ich nun über die letzten Tage durchgehalten und ich komme leider nur mit Mühe und Not und ca. 1x am Tag auf deutlich basische Werte, obwohl ich versuche, die Säurebildner wie Zucker usw. zu meiden, regelmäßig Kokosöl/-milch zu mir nehme und in den Morgenkaffee jetzt immer eine Prise Natron gebe (Empfehlung der Heilpraktikerin). Bei meiner letzte Darmkur im Frühjahr habe ich auch regelmäßig gemessen und stellte fest, dass der Karottendipp sehr stark basisch bei mir wirkt. Da kam auch die Entgiftung ganz gut in Gang. Allerdings kann ich mich nicht dauerhaft hauptsächlich von Karottendipp ernähren, obwohl ich ihn ok. finde. Auch auf Käse, Eier und Brot und ein gelegentliches Glas Wein kann ich nicht dauerhaft verzichten, auf Fleisch und Wurst dagegen schon. Nun frage ich mich, wie ich ohne allzu viel Verzicht das Millieu in den Zellen basischer bekomme. Wie ist das genau mit den fermentierten Lebensmitteln? Wann nimmt man die am besten zu sich, morgens, abends, vor oder zusammen mit den Mahlzeiten usw.?
    Bin schon gespannt auf Deine Empfehlungen. Über „alltagstaugliche“ Tipps, die über eine strikt basische Ernährung hinausgehen, würde ich mich sehr freuen.
    liebe Grüße, Liane

    Antworten
    • Hallo Liane,
      also noch musst Du Dich etwas gedulden :-). Im nächsten Blogpost berichte ich dann darüber, wie man den Körper entsäuert, was ich noch so für Beobachtungen gemacht habe und wie das wissenschaftlich im Körper erklärbar ist.
      Beim Entsäuern ist auf jeden Fall Geduld die Lösung. 10 Jahre Übersäuerung bedeutet 1 Jahr entsäuern…
      Die fermentierten Lebensmittel am besten zur Mahlzeit. Dann reicht auch ein bisschen zu jeder Mahlzeit. Dadurch wird die Verdauung gefördert und Du hast einen noch größeren Mehrwert.
      Gruß Friederike

      Antworten

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