Der Mythos der Übersäuerung des Körpers – Teil 2

von | Nov 25, 2018 | Gesundes Leben

„Alle Krankheiten entstehen im sauren Milieu.“

Dr. Otto Warburg, 1931 „Nobelpreis für Physiologie oder Medizin“

Warum ist dieses wertvolle Wissen von Nobelpreisträger Otto Warburg über den Säure-Basenhaushalt nicht überall in der Schulmedizin angekommen? Nur selten wird ein Patient auf seine Säurelast im Körper untersucht. Und obwohl man mit einem ausgeglichenen Säure-Basenhaushalt sehr viele Krankheiten positiv beeinflussen könnte, wird die Puffer-Kapazität im Blut fast nie gemessen.

Welches sind Zeichen einer Übersäuerung? Welches sind die größten Säurequellen im Körper und wie bekommst Du Deinen Säure-Basenhaushalt wieder ins Lot? Ich habe über ein halbes Jahr mehrmals täglich meinen Urin daraufhin getestet und freue mich, mit dem heutigen Blogpost wertvolle Tipps zu geben, damit Dich die Säurewelle verschont.

Woran erkennst Du eine Übersäuerung in Deinem Körper?

Wie im ersten Teil des Blogposts über den Mythos Übersäuerung bereits erläutert, hat der Körper drei Trümpfe, um einer Übersäuerung vorzubeugen.

Trumpf 1: Salopp gesagt klaut er sich Mineralien aus anderem Gewebe. Dadurch kommt es zu strukturellen Problemen: Dein Bindegewebe wird schlaff, Deine Knochen werden brüchig und Deine Haare matt und spröde.

Trumpf 2: Der Körper beginnt, überschüssige Säuren – quasi über Notausgänge –  loszuwerden. Die Folgen: Hautekzeme, Neurodermitis und verstärkte Schweißproduktion. 

Trumpf 3: Der Körper lagert überschüssige Säuren in Notlagern ein – mit dem Ergebnis, dass Dein Körpergewicht steigt und Dein Bindegewebe Orangenhaut verursacht.

Die fünf größen Säurequellen des Körpers:

1. Der nicht funktionale Darm - die Ursache einer Säure-Massenproduktion

 

Ist der Darm in seiner Funktion gestört, ist er nicht in der Lage, Nahrung vollständig zu verdauen. Unverdaute Lebensmittel beginnen im Darm zu verfaulen und bilden Gifte, sogenannte Myotoxine. Ein kranker Darm ist also in der Lage, Deinen Körper innerlich zu vergiften und zu übersäuern. Ich habe schon mehrmals in Stuhlproben von Community-Mitgliedern zu viele Fäulnisbakterien im Darm festgestellt – die Anzeichen für eine eigene Mülldeponie im Darm …

Stoppe die Müllproduktion (Gifte und Säuren) im Darm!

Gönne Dir zwischen den Mahlzeiten mindestens vier Stunden Pause.

Die ständige Nahrungsaufnahme mit vielen Zwischenmahlzeiten belastet Dein gesamtes Verdauungssystem. Un- bzw. bereits vorverdaute Essensreste aus der vorherigen Mahlzeit vermischen sich mit frischer Nahrung. Hierdurch verlängert sich die Verweildauer im Magen und das Essen beginnt, in Deinem Innern zu gären – und zu vergammeln. Wer ständig isst, tut sich nichts Gutes, denn der Körper kann die Nährstoffe nicht optimal verwerten!

Iss immer in Ruhe und kaue jeden Bissen mindestens 20 bis 30 Mal.

Deine Nahrung kann in Hetze, Stress und Eile NICHT verdaut werden. Zur Verdauung benötigt Dein Körper Entspannung. Nur im entspannten Zustand kann der parasympathische Teil des Nervensystems aktiv werden. Dieser Teil des Nervensystems ist für die Verdauung Deiner Nahrung zuständig. Auf den Punkt gebracht: Bei Stress ist keine Verdauung möglich!

Dein künftig im entspannten Zustand genossenes Essen solltest Du zudem gut kauen, denn gut gekaut ist halb verdaut. Durch langes Kauen erleichterst Du dem Darm die Verdauung und stellst gleichzeitig größere Mengen an Speichel her. Der Wundercocktail Speichel enthält –, neben Verdauungshelfern –, Botenstoffe, die Bakterien abtöten. Durch langes Kauen züchtest Du quasi Deine Gesundheitspolizei im Mund, die dafür sorgt, dass keine Bösewichter (schlechte Bakterien) lebendig in Deinen Körper gelangen.

„Warte“ Deinen Darm regelmäßig.

Jedes Auto wird mindestens einmal pro Jahr zur Wartung gebracht. Dein Darm will ebenfalls gewartet werden. Durch diese jährliche Wartung des Darmes sorgst Du dafür, dass Dein Verdauungsfeuer aktiv bleibt. Erlischt Dein Verdauungsfeuer, werden Lebensmittel nicht mehr optimal verdaut. Sie bleiben im Darm liegen und beginnen zu gären. Mit der Lebensenergie-Kur sorgst Du für ein immer brennendes Verdauungsfeuer.

2. Genussgift Alkohol - wirklich so gesund?

Das tägliche Gläschen Rotwein – für viele zur Gewohnheit geworden – ist fast schon ein Muss für die Deutschen. Doch ist Rotwein wirklich so herzstärkend, wie immer behauptet wird? Alkohol schwemmt nicht nur wichtige basische Mineralien aus dem Körper, sondern er hemmt zudem die Fettverbrennung! Dadurch fallen mehr Abfallstoffe in den Zellen an, denn die Zellen müssen jetzt vermehrt auf die Kohlenhydratverbrennung umstellen. Dadurch entstehen große Mengen an Säuren (z. B. Milchsäure). Gleichzeitig kann durch den Konsum von Alkohol anfallende Harnsäure nicht ausgeschieden werden.

3. Saure Nahrung = saure Menschen?

Ob die heruntergezogenen Mundwinkel des typischen Westlers durch die Art der täglichen Ernährung entstehen, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Weißbrot, Zucker, Wurst und Süßstoffe zumindest den Körper sauer machen. Durch diese Lebensmittel entstehen große Mengen an Schwefel-, Phosphat-, Harn- und Essigsäuren…

Ohne die puffernde Wirkung von basischen Mineralien aus Gemüse, Nüssen, Kräutern und Gewürzen ist die westliche Ernährungsweise mit einer Katastrophe für die Zellen. Die Zellen ersticken unter der Säurelast dieser Ernährungsweise.

4. In Stress, Hetze und Eile kann kein Glück, keine Gesundheit und kein basischer Körper entstehen!

Bei Stress werden die Stresshormone Aldosteron und Cortisol ausgeschüttet. Diese Hormone führen zur Wiederaufnahme von Natrium und Wasser in den Nieren. Gleichzeitig werden überschüssige Säuren und Stickstoff ebenso wie die basenbildenden Mineralien (Magnesium, Calcium und Kalium) vermehrt ausgeschieden.

Durch die Wiederaufnahme von Natrium kommt es zudem zum Ungleichgewicht von Natrium und Kalium in den Zellen.  Da besonders Kalium unerlässlich für die Entsäuerung der Zellen (Natrium-Kalium-Pumpe) ist, können die Zellen nicht mehr optimal entsäuern; ihre Energieproduktion ist eingeschränkt und sie mutieren – im schlimmsten Fall – zu Krebszellen.

Lerne deshalb, effektiv zu entspannen und bringe Dein parasympathisches Beruhigungssystem wieder auf Hochtouren. Unser Versprechen: Nach sechs Tagen fühlst Du dich wie nach drei Wochen Urlaub. Reserviere jetzt Deinen Platz beim Energie-Retreat.

5. Umweltbelastung - eine Herausforderung für den Säure-Basenhaushalt

Abgase, Chemie in Kosmetika, Shampoos, Duschgels, Putzmitteln und Lebensmitteln sowie Elektrosmog in Form von Handystrahlung, Computern etc. sind ebenfalls eine tägliche Herausforderung für Deine Zellen. Sie arbeiten nur noch auf Sparflamme und produzieren mehr „Abfall“. Ich empfehle daher, möglichst auf natürliche Körperpflege umzusteigen, zusätzlich basische Mineralien einzunehmen und, zumindest nachts, das WLAN auszuschalten. Bevor ich ins Bett gehe, gönne ich mir regelmäßig – also nicht nur während der Lebensenergie-Kur – ein „Betthupferl“ in Form von Magnesiumcitrat und Vitamin C, sodass meine 70 Billionen Zellen auch in der Großstadt Berlin gut funktionierende und verlässliche Mitarbeiter bleiben.

Extra Info: Bei übersäuerten Zellen eines Sportlers sind Basenpäder Pflicht

Damit Deine Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) ausreichend Energie in Form von ATP herstellen können, benötigen sie Sauerstoff. Zellen können zwar ohne Sauerstoff Energie produzieren (anaerober Stoffwechsel), allerdings fallen dabei jede Mengen Säuren (z. B. Milchsäure) im Körper an. Je weniger Sauerstoff Deine Zellen zur Verfügung haben, desto stärker ist die Säurelast in Deinem Körper. In Sportlerkreisen ist daher der regelmäßige Einsatz von zusätzlichen basischen Präparaten schon lange gang und gäbe. Etliche Studien zeigen, dass die Gabe von Bicarbonat (Säurepuffer) während einer hohen Belastung die Leistungsfähigkeit von Sportlern aufrechterhält. Ein regelmäßiges Basenbad wird häufig angewandt, um die vermehrt anfallenden Säuren wieder aus dem Körper zu bekommen.

Ich mache das einmal pro Woche, obwohl ich nicht mehr so viel und intensiv trainiere. Danach fühle ich mich wie neu geboren.

Sieben Tipps, um Deinen Säure-Basenhaushalt wieder ins Lot zu bringen

  1. Iss Fleisch – auch Bio-Fleisch – in Maßen, statt in Massen (ein- bis zweimal pro Woche).
  2. Iss früh am Abend, also mindestens drei Stunden bevor Du ins Bett gehst. Ab 18 Uhr nimmt die Verdauungsleistung des Körpers Stück für Stück ab und er bildet vermehrt Säuren.
  3. Kümmere Dich mindestens einmal pro Jahr um Deinen Darm (z. B. mit der Lebensenergie-Kur).
  4. Flute Deine Zellen mit ausreichend Sauerstoff, sodass sie ihre Energie nicht unter Produktion von Säuren herstellen müssen. Für eine gute Sauerstoffversorgung der Zellen braucht Dein Körper ausreichend Eisen und Vitamin D.
    • Der Eisenspeicherwert (Ferritinwert) sollte bei Frauen bei mind. 50ng/ml und bei Männern bei 120ng/ml liegen. Erst dann haben die Zellen ausreichend Sauerstoff zur Verfügung, um ohne die Entstehung von Säuren Energie zu produzieren.
    • Die Zellen benötigen das Sonnenhormon Vitamin D, um optimal arbeiten zu können. Bei einem Vitamin‑D-Mangel im Blut kommt es zu erhöhter Säureproduktion. Überprüfe das einmal. Dein Wert sollte bei mind. 60ng/ml liegen. Ich nehme das ganze Jahr über täglich 10.000 I.E. Vitamin D, um auf diese Werte zu kommen.
  5. Entspanne Dich. In Hetze, Eile und Stress übersäuern die Zellen. Fokussiere Dich auf das Wesentliche – und gönne Dir zwischendrin regelmäßig Pausen.
  6. Meide Basenräuber wie Kaffee, Alkohol, Weißmehl und Zucker.
  7. Beginne mit Entsäuerungsritualen. Das wöchentliche Entsäuerungsbad und regelmäßige Bewegung sind Akte der Selbstliebe und bringen Deinen Säure-Basenhaushalt wieder ins Lot.

Achtung:

Entsäuern braucht Geduld. Zehn Jahre Übersäuerung bedeuten ein Jahr aktive Entsäuerungstherapie. Selbst meine 20 Jahre Leistungssport befinden sich noch buchstäblich im Gewebe. Momentan arbeite ich daher eifrig daran, die Säuren Stück für Stück aus meinem Körper zu bekommen. Mach mit – das bist Du Dir wert!

Deine Dr. Friederike Feil

► Literatur
  • Burke, L. Practical considerations for bicarbonate loading and sports performance. 2013; 75:15-26. doi: 10.1159/000345814. Epub 2013 Apr 16.
  • Epstein, M. Alcohol’s impact on kidney function. Alcohol.Health Res World. 1997;21(1):84-92.
  •  Hahn, A.; Ströhle, A.: Bedeutung von Ernährungsfaktoren für den Säure-Basenhaushalt – gegenwärtiger Stand der Diskussion
  • Horn. F (2015). Biochemie des Menschen. Das Lehrbuch für das Medizinstudium (6. Aufl.). Stuttgart: Thieme Verlag.
  • Bushinsky, D.; Frick, K. (2000): The effects of acid on bone. Current Opinion Nephrol Hypertension, 9:369-79
  • Bushinsky, David A.: Acid-base imbalance and the skeleton. (2001) European Journal of Nutrition 2001; 40:238-244
  • Manz, M. (2001): History of nutrition and acid-base physiology. European Journal of Nutrition; 40189-199
  • Jacquillet, G. Physiological regulation of phosphate by vitamin D, parathyroid hormone (PTH) and phosphate (Pi). Pflugers Arch. 2018 Nov 5. doi: 10.1007/s00424-018-2231-z. [Epub ahead of print]
  • McCarty, M. Acid-base balance may influence risk for insulin resistance syndrome by modulating cortisoloutput. Med Hypotheses. 2005;64(2):380-4.
  • Remer, T: Influence of diet on acid-base balance. Semin Dial 2000; 13:221-6
  • Siener, R. (2006) Einfluss der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt. Ernährungsumschau 53, Heft 5
Friederike Feil Akademie Vita Kieser

Dr. Friederike Feil

„Das Leben ist zu kurz, auch nur einen Augenblick des Genusses und der Freude zu versäumen.“

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8 Kommentare

  1. Hallo Friederike,
    was für ein Basenbad nimmst Du denn wöchentlich? Stellst Du es selbst her, oder kaufst Du es in der Apotheke?
    Viele Grüße Anja

    Antworten
    • Hallo Anja,
      ich habe mir ein ganz gewöhnliches Basenbad in der Apotheke geholt. Jentschura hat auch ein gutes Basenbad in seinem Sortiment. Das habe ich auch schon getestet. Basenbäder sind sehr kostengünstig und du bekommst sie sogar im Drogeriemarkt. Da kann man nicht viel falsch machen. Viel Spaß beim Genießen!
      Gruß Friederike

      Antworten
  2. Liebe Friederike, ich messe auch meinen Besenwert seit einigen Monaten und muss gestehen, dass ich Deine Resultate und Themen mit Dir teile. Ich habe mich auch sehr mit basischer Körperpflege auseinandergesetzt. Das ist ganz einfach nur mit Wasser waschen ;-). Nicht jeden Tag… aber basische Körperpflege ist so gesund und kostet fast nichts. Es macht spass mit wenigen Artikeln im Bad und mit einer kleinen Toilettentasche auf Reisen. Ich habe auch entdeckt, dass meine Emotionen einen grossen Einfluss auf meinen ph-Wert haben. Danke, dass Du deine tollen Erlebnisse mit uns geteilt hast. Ich habe auch wieder viel gelernt und werde wieder Neues von Dir ausprobieren! Danke!

    Antworten
    • Danke liebe Michaela für dein tolles Feedback!
      Friederike

      Antworten
  3. Liebe Friederike!
    Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag!
    Nur betreffend die Höhe der Vitamin D-Substitution möchte ich warnen:
    Ich substituiere Vit D seit 2013 mit 3.000 IE/Tag, seit 2 Jahren habe ich gesteigert auf 1x 20.000 IE/Woche plus 1.000 IE täglich (aus den allsani-Produkten).
    Offensichtlich habe ich mittlerweile meine Speicher so aufgefüllt, dass ich bei der Jahres-Ko (nach diesem sehr sonnenreichen Sommer, aber stets mit LS-Faktor 30-50 geschützt) aus allen Wolken fiel: der Spiegel war mit 328 exorbitant überhöht…..
    Zum Glück achte ich auch auf die Vitamin K2-Substitution (Osten) und reichlich Magnesium, daher war das Calcium im Blut nicht erhöht, ich habe keine Nierenprobleme, aber diese Entwicklung war für mich sehr überraschend und natürlich unbeabsichtigt….
    Daher wäre ich bei täglich 10.000 IE sehr vorsichtig und empfehle Dir engmaschige Spiegel-Ko (alle 3 Min) oder doch eine Dosis-Reduktion!
    Liebe Grüße !
    Sabine

    Antworten
    • Hallo Sabine,
      danke für Deine Mitteilung. Der Vitamin D Spiegel ist sehr unterschiedlich und die tägliche Dosierung wirkt sich auch unterschiedlich von Person zu Person aus. Ich messe regelmäßig und komme mit den 10.000 kaum übe 60ng/ml. Ich . denke Ihre Messung ist eine mmol Angabe.
      Ich war vor kurzem bei einem Arzt, der mir sogar empfahl auf 20.000 hoch zu fahren um meinen Wert vor einer geplanten OP auf 70ng/ml zu bekommen, damit die Heilungsprozesse schneller ablaufen. Wir sehen also, es ist sehr wichtig seinen eigenen Körper immer auch zu beobachten.
      Gruß Friederike

      Antworten
  4. Wie lässt sich der PH-Wert zu Hause feststellen? Gibt es geeignete Teststreifen, wenn ja, welche könntet Ihr empfehlen?

    Antworten
    • Hallo Herr Fritz, ich habe Teststreifen bestellt von der Firma Lyphan. Urin pH von 5.2-7.6. Die funktionieren super.
      Gruß Friederike

      Antworten

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