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Jakobsweg – Meine Pilgerreise von Porto nach Santiago

In 14 Tagen auf dem Jakobsweg von Porto nach Santiago: Das war mein Ziel für meinen diesjährigen Urlaub.

Warum entschied ich mich für die 240 km lange Pilgerreise durch Portugal und Spanien? Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Und was habe ich von dieser Reise mitgenommen?

Gründe für meine Pilgerreise auf dem Jakobsweg

Die Gründe einer Pilgerreise sind sehr unterschiedlich: Die einen suchen die sportliche Herausforderung, andere wollen die 240km nutzen, um über ihr Leben nachzudenken und emotionalen Ballast loszuwerden.

Mich interessierte, was das stundenlange Wandern mental mit mir anstellen würde. Lerne ich mich durch die Reise besser kennen? Was für Menschen treffe ich und was werde ich nach meiner Reise für meinen Alltag übernehmen?

Die 1. Etappe meiner Pilgerreise

Am Mittwochmorgen starteten meine Freundin und ich in Porto, um uns auf den portugiesischen Pilgerweg zu machen. Beide waren wir hochmotiviert und unglaublich stolz, dass wir unser Gepäck auf 6 kg reduziert hatten. Wir entschlossen uns die ersten beiden Etappen des Jakobswegs an der Küste entlang zu laufen.

Weit und breit sichteten wir jedoch keinen weiteren Pilger. Hatten wir uns schon am Anfang verlaufen? Oder war im November einfach nichts los auf dem portugiesischen Pilgerweg? Erst nach 4 Stunden sichteten wir den ersten Pilger und wir freuten uns wie kleine Kinder…

Da wir beide noch nie Pilgern waren, unterschätzten wir die Distanz der ersten Etappe gewaltig. Als wir bei den Bungalows am Abend ankamen, waren wir fix und fertig.

HINWEIS:

Auf dem Jakobsweg ist es Sitte, dass man sich bei jeder Unterkunft einen Stempel abholt. Der Pilgerpass ist zusätzlich der Zugang zu den Pilgerherbergen und das Eintrittsticket für vergünstigte Preise.

Gastfreundschaft, Freude und internationale Bekanntschaften

Ausgeruht machten wir machten uns am nächsten Morgen auf die 2. Etappe unserer Pilgerreise. Die 2. Etappe führte uns nach ca. der Hälfte von der Küste weg ins Landesinnere. Am zweiten Tag trafen wir unterwegs doch ein paar mehr Pilger als am ersten Tag, mit denen wir teils unseren Weg gemeinsam liefen.

Auch am zweiten Tag kamen wir in der Pilgerherberge an und waren fix und fertig. Ich war es einfach nicht gewohnt, fast 10 Stunden an frischer Luft zu sein, stundenlang zu wandern und einen Pilgerrucksack mit mir herumzuschleppen. 

In der offiziellen Pilgerherberge wurden wir unglaublich freundlich empfangen. Vor uns waren schon Polen, Italiener, Spanier und Portugiesen in der Herberge eingetroffen. Diese waren schon eifrig am Kochen und luden uns zum leckeren Pasta-Abendessen ein. Trotz meiner „Weizen-Phobie“ schlug ich das Angebot nicht aus. In meinen Vorträgen propagiere ich immer locker zu bleiben beim Essen, besonders wenn es um soziale Events geht. Kein Dogma in der Ernährung!

Der Abend war wie im Film. Wir haben gesungen, gelacht und uns auf vier verschiedenen Sprachen mit Händen und Füßen unterhalten. Sogar der Herbergs-Vater setzte sich zu uns und verköstigte uns mit leckerem Portwein. Allein für diesen wunderbaren  Abend hatte sich die Pilgerreise schon gelohnt!

Recht früh ging es nach dem tollen Abend in der Herberge los. Bei Morgendämmerung liefen wir durch die schönsten Landschaften. Ich konnte mich kaum satt sehen an dieser Schönheit der Natur. Ich war einfach nur glücklich diese Erfahrungen machen zu dürfen. Der Rucksack fühlte sich mittlerweile nicht mehr schwer an und an das viele Laufen gewöhnte ich mich langsam.

In den Folgetagen erlebten wir die unterschiedlichsten Herbergen und lernten spannende Menschen kennen. Wir genossen das leckerste Essen in Portugal und Spanien und fühlten uns einfach Wohl im befreiten Leben eines Pilgers.

Wäsche waschen auf der Pilgerreise

Unsere Kleider nahmen wir täglich mit unter die Dusche und entwicklten eine „Methodik“, so dass unsere Wäsche schneller trocknete. Wir befestigten alle nassen Kleider, die wir am Vortag in der Dusche mitgewaschen hatten, außen am Rucksack. Das sah teilweise schon sehr lustig aus.

Nach 8 Tagen kontinuierlichem Wandern hatte ich dann das Gefühl, meine Kleider stehen mittlerweile vor Dreck. Zwar nahmen wir die Kleider täglich mit unter die Dusche, aber so richtig sauber wurden sie doch nicht mehr. Das Universum hatte Mitleid mit uns, denn am Abend kamen wir an eine Herberge mit kostenlosem Wäscheservice an. Ich freute mich auf meine frisch gewaschene Wäsche als ob Weihnachten und Ostern an einem Tag wären.

Ankunft in Santiago

Nach knapp 11 Tagen kamen wir in Santiago an. Wir waren etwas schneller als geplant. Das lag zum einen an unserem strammen Marsch, aber auch an einer sehr langen Etappe von über 37 km. Um diese kamen wir nicht herum, da einige private Herbergen unterwegs geschlossen hatten, da die Pilger-Hauptsaison nur bis Oktober dauert.

Der Einmarsch in Santiago war recht unspektakulär. Doch auf dem Marktplatz vor der Kirche, wo alle Pilger eintreffen, verspürte ich eine ganz besondere Energie. Ich legte mich auf den Boden, genoss die letzten Sonnenstrahlen und lies die Reise Revue passieren. Das war ein tolles Gefühl. Einfach nur daliegen. Dem Körper für seine Arbeit danken und das Kribbeln spüren.

Das letzte Highlight auf meiner Pilgerreise fand am Abend statt: Die Pilgermesse in Santiago. Ich bin eigentlich keine Kirchgängerin. Aber die Stimmung und das Ambiente in der Kirche waren einfach toll. Die Worte des Pfarrers und der Gesang einer Nonne berührten mich tief und füllten mich mit einer großen Dankbarkeit für die Reise, Dankbarkeit für meine tolle Freundin und Dankbarkeit für alles, was ich habe.

PERSÖNLICHKEITS-TIPP

Pilgern hilft dir zu lernen, dich auf das Wesentliche zu reduzieren und dich an den kleinen Dingen zu erfreuen.

Täglich wechselt man seine Ortschaft. Täglich sieht man neue Dinge und täglich lernt man neue Leute kennen. Zwei Wochen Pilgern machen den Kopf frei fast wie meine 5-tägigen Energie-Retreats, nach denen man sich wie drei Wochen Urlaub fühlt…

DFF Unterschrift

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